Eine Frage der Ehre

Man könne heute nicht mehr in ganzen Sätzen sprechen, die Grammatik nicht mehr korrekt anwenden und „Bitte“ und „Danke“ seien Fremdwörter. Wo soll das nur hinführen? Der Verfall der deutschen Sprache rast unaufhaltsam auf uns zu!

Ich kann dieses Mimimi (mein neues Lieblingswort) über die Umgangsformen nicht mehr ertragen. Für alle, die sich über „Alter“ oder „Ich geh‘ Bahnhof“, über „Komm mal klar!“ und „Yolo“ aufregen, habe ich eine schlechte Nachricht: „Ihr werdet alt.“

Ihr regt euch darüber genauso auf, wie vor 20 Jahren über „cool“, „geil“ und „Scheiß“ die Nase gerümpft worden ist – und warum sollte sich die heutige Jugend anders verhalten als wir damals? Eben. Es juckt sie nämlich überhaupt nicht. „Aber da muss man doch gegensteuern!“ wird da einer sagen. Ach, naja. Warum denn? Auch diese Generation wird nicht am Bahnhof versauern, weil sie die Grammatik nicht richtig eingehalten hat. Auch diese Jugend wird erwachsen. Und auch diese Jugend wird sich in 20 Jahren über die zukünftige Jugend aufregen und behaupten, dass früher alles besser gewesen sei – auch wenn es tatsächlich nur der Ischias war. Wenn auch früher nicht alles besser war, es war aber das gleiche. Zumindest das wird sich nicht verändern.

Woran man aber durchaus etwas ändern kann, sind die Umgangsformen. Manchen wird es überraschen, aber die Verantwortung dafür liegt nicht bei den Eltern der missratenen Bälger oder deren Lehrern – wenigstens nicht nur.

Egal, wo man hinhört, „Bitte“ und „Danke“ kommen in Gesprächen eher selten vor. Unabhängig vom Alter, wohlgemerkt und besonders bei denen, die sehr gerne auf die Verwendung pochen. Warum soll nun ein junger Mensch „Bitte“ und „Danke“ sagen, wenn man es seinerseits nicht zurück erwarten kann? Aus Respekt? Respekt muss man sich verdienen. Was hat unsere Generation schon geleistet, um Respekt nur des Alters wegen einzufordern? Eben.

Du kannst nicht die Welt verändern, nur dich selbst. Bedenke das. Geh mit gutem Beispiel voran, denn du wirst überrascht sein, wie häufig du die zwei kleinen Worte weglässt, wenn sie eigentlich gesagt werden müssten.

Vielen Dank, dass du bis zum Ende durchgehalten hast!

1 Kommentar zu „Eine Frage der Ehre“

  1. Vielleicht hätte ich lieber hier kommentieren sollen, statt auf FB.
    Egal, wenn ich schon hier bin, dann grüß ich dich wenigstens ganz herzlich und danke dir für den Artikel.
    I <3

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